Entnommen von Humanrights.ch
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Die Menschenrechte von trans Personen in der Schweiz
Seit Anfang 2022 ist die Änderung von Geschlechtseintrag und Namen im Personenstandsregister in der Schweiz einfacher geworden. Die Revision des Zivilgesetzbuches war ein wichtiger Schritt für die Rechte von trans Personen.
Trotzdem bestehen weiterhin erhebliche menschenrechtliche Defizite. Viele trans Menschen erleben Diskriminierung, fehlenden rechtlichen Schutz, Schwierigkeiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung und strukturelle Hürden im Alltag.
Das Adjektiv „trans“ beschreibt Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Dies umfasst sowohl binäre als auch nicht-binäre Personen.
Trans Personen in der Schweiz
Schätzungen
Laut Studien könnten in der Schweiz zehntausende trans Personen leben. Einige Schätzungen gehen sogar von bis zu drei Prozent der Bevölkerung aus.
Viele Lebensbereiche betroffen
Diskriminierung betrifft unter anderem Gesundheitswesen, Arbeitswelt, Bildung, öffentlichen Raum und Privatleben.
Besonders verletzlich
Besonders betroffen sind trans Personen, die zusätzlich anderen marginalisierten Gruppen angehören.
Kein ausreichender Diskriminierungsschutz
Keine ausdrückliche Strafnorm
Die Schweizer Antirassismus-Strafnorm schützt sexuelle Orientierung, jedoch nicht ausdrücklich Geschlechtsidentität.
Begrenzte Möglichkeiten
Gegen transfeindliche Aussagen kann oft nur über Persönlichkeitsrechte oder Ehrverletzung vorgegangen werden.
Unsicherheit
Obwohl das Gleichstellungsgesetz Schutz bieten kann, besteht weiterhin wenig Rechtssicherheit.
Erhöhtes Risiko
Trans Personen sind deutlich häufiger von Arbeitslosigkeit, Benachteiligung und Kündigungen betroffen.
Hate Crimes gegen trans Personen
Psychische & körperliche Folgen
Viele trans Personen erleben Hass, Übergriffe oder Diskriminierung aufgrund ihrer Geschlechtsidentität.
Hohe Dunkelziffer
Viele Vorfälle werden nicht gemeldet, weshalb das tatsächliche Ausmass schwer erfassbar bleibt.
Fehlende Datenerfassung
Transfeindliche Übergriffe werden in der Schweiz bis heute nicht systematisch separat erfasst.
Zugang zur Gesundheitsversorgung
Binäre Systeme
Offizielle Dokumente, Formulare oder getrennte Räume erschweren vielen trans Personen den Zugang.
Medizinisches Personal
Viele Menschen erleben mangelndes Wissen, Fehlbehandlungen oder Diskriminierung im Gesundheitssystem.
Verzicht auf Behandlung
Negative Erfahrungen führen teilweise dazu, dass notwendige medizinische Betreuung vermieden wird.
Geschlechtsangleichende medizinische Massnahmen
Psychiatrische Begutachtung
Viele medizinische Massnahmen setzen weiterhin psychologische oder psychiatrische Bestätigungen voraus.
ICD-11
Geschlechtsinkongruenz wird seit ICD-11 nicht mehr als psychische Störung eingeordnet.
Krankenkassenprobleme
Trotz Diagnosen verweigern Krankenkassen teilweise weiterhin Kostenübernahmen.
Lange Anforderungen
Manche Versicherungen verlangen weiterhin jahrelange Psycho- oder Hormontherapien vor Operationen.
Menschenrechtliche Kritik
Internationale Gerichte und Organisationen kritisieren diese zusätzlichen Hürden.
Selbstbestimmte Änderung des Geschlechtseintrags
Einfacherer Zugang
Der Geschlechtseintrag kann direkt beim Zivilstandsamt geändert werden.
Mehr Selbstbestimmung
Medizinische Nachweise oder psychiatrische Gutachten sind dafür nicht mehr notwendig.
Weiterhin ausgeschlossen
Das Schweizer Recht kennt weiterhin keine offizielle dritte Geschlechtsoption.
Zustimmung notwendig
Unter 16-Jährige benötigen die Zustimmung ihrer gesetzlichen Vertretung.
Es besteht grosser Handlungsbedarf
Studien zeigen, dass rechtlicher Schutz und gesellschaftliche Anerkennung direkten Einfluss auf Sicherheit, psychische Gesundheit und Lebensqualität haben.
Die Schweiz hat Fortschritte gemacht, insbesondere bei der vereinfachten Änderung von Namen und Geschlechtseintrag.
Gleichzeitig bestehen weiterhin grosse Lücken:
- fehlender expliziter Diskriminierungsschutz
- fehlende Anerkennung nicht-binärer Menschen
- Hürden bei medizinischer Versorgung
- Probleme bei Krankenkassen
- fehlende statistische Erfassung von Hate Crimes
Weiterführende Informationen & Quellen
Wichtiger Hinweis
Diese Seite dient der Information über die menschenrechtliche Situation von trans Personen in der Schweiz und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
Ziel dieser Seite ist Aufklärung, Sichtbarkeit und Unterstützung — sowie die Förderung von Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Menschenrechten.